Bessere Leistung durch Achtsamkeit?

Würde man dir sagen, dass du mit einer einzigen Übung dafür sorgen kannst, dein volles Potential abzurufen und uneingeschränkte Leistung zu zeigen – wäre das nicht genial? Es gibt Situationen, in denen wir einfach nicht so performen, wie wir es eigentlich könnten. Auch Jugendlichen geht es oft so, dass sie beispielsweise die Arbeit in den Sand setzen, obwohl sie doch so viel dafür gelernt haben und zu Hause alles richtig gut konnten. Woran liegt das? In diesem Beitrag möchte ich einen kleinen Einblick in die Neurowissenschaft geben, die erforscht hat, wie Achtsamkeitsübungen unsere Leistung verbessern können. 

Es gibt bereits zahlreiche Studien, die die positive Wirkung von Meditation auf Körper und Geist nachgewiesen haben. Um diese Effekte zu erzielen, muss man jedoch auch für eine gewisse Zeit regelmäßig meditieren. Diese Bedingungen können nicht erfüllt werden, wenn man Meditation oder Achtsamkeitsübungen neu in der Schule einführen möchte. Deshalb werde ich nicht näher auf die Effekte von Meditation im Allgemeinen eingehen, sondern euch einen kurzen Einblick in die neurowissenschaftlichen Forschungen geben, die erklären, was während einer Achtsamkeitsübung im Hirn passiert. Hier ist Karoline Notebaert eine der führenden Neurowissenschaftlerinnen, die die Wirkung von Achtsamkeitsübungen im Gehirn erklärt und wissenschaftlich nachgewiesen hat. 

Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf ein Objekt – beispielsweise den Atem, einen Gegenstand oder einen Körperbereich – so steigern wir damit unsere Leistungsfähigkeit. Wie geht das? 

Hierzu ist es zunächst wichtig zwei bedeutende Teile unseres Gehirns näher kennenzulernen. Das eine ist die Hirnstruktur, die sich Amygdala nennt. Diese war damals sehr wichtig, wenn es um das Überleben ging. Stand ein Sebelzahntiger vor uns, so erforderte diese Situation eine sofortige Information an das Hirn, welche uns auf Flucht einstellt und befähigt so schnell zu rennen, wie es geht. Dieser Zustand ist auch unter dem „fight or flight mode“ bekannt. Der Hypothalamus ist die Kommandozentrale unseres Hirns, die dann die Informationen sendet, die unseren Körper auf Flucht einstellen (schnellere Atmung, steigende Herzfrequenz und Blutdruck) und so das sympathische Nervensystem aktiviert. Hier ist es uns nicht mehr möglich logische Entscheidungen zu treffen oder unsere Leistung abzurufen. Das heißt, wir könnten jetzt nicht noch einen entspannten Vortrag über die Angriffsmethoden eines Tigers halten, sondern würden unsere Beine in die Hand nehmen und zusehen schnellstmöglich davonzukommen.
Nun begegnet uns allen kaum noch ein Sebelzahntiger im Alltag. Es gibt dafür jedoch andere Dinge, die den selben Effekt auslösen. Welche Situation diesen Stress auslöst, kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Bei Schülern & Schülerinnen kann das die Angst vor einer Präsentation sein oder andere negative Gedanken.  

Um zu lernen, Probleme zu lösen oder um etwas organisieren zu können, müssen wir in einem entspannten Zustand sein. Eine bedeutsame Rolle spielt hier die Hirnregion des präfrontalen Kortex. Dieser ist nämlich für all diese sog. „Exekutivfunktionen“ (planen, organisieren, lernen, Probleme lösen etc.) zuständig. Dieser hat jedoch, ähnlich wie eine Batterie, nur eine bestimmte Kapazität. Je stärker wir die Batterie belasten, desto schneller entlädt sie. Manchmal spüren wir das nach einem langen Arbeitstag am Abend, wenn wir nicht mehr in der Lage sind, uns Dinge zu behalten, intensive Gespräche zu führen oder ein Problem zu lösen. Durch Schlaf kann die Batterie wieder aufgeladen werden. Manchmal reicht die Batterie jedoch gar nicht bis zum Abend und wir fühlen uns schon während des Tages nicht mehr in der Lage, unsere beste Leistung zu geben oder aber wir hatten keinen erholsamen Schlaf, sodass die Batterie nicht vollständig aufgeladen werden konnte.

Die Neurowissenschaft hat nun eine weitere Möglichkeit erforscht, die wir nutzen können, um den präfrontalen Kortex bereits während des Tages zu entlasten und so unser volles Potential abrufen zu können – eine Möglichkeit, unsere Batterie mal kurz zu laden, um dann wieder völlig frisch und voller Leistung zu sein.  Sie haben herausgefunden, dass auch die Amygdala dafür verantwortlich ist, dass sich die Batterie des präfrontalen Kortex entläd. Je höher die Amygdala-Aktivität, desto geringer auch die Energie des präfrontalen Kortex. Das heißt wir sind weniger leistungsfähig, wenn die Amygdala-Aktivität hoch ist. Die Frage, die sich daraus ergibt ist: Wie kann man die Amygdala-Aktivität so gering wie möglich halten? Und hier kommt nun die Achtsamkeit (engl. mindfulness) ins Spiel. Durch Achtsamkeit verringert sich die Amaygdala-Aktivität UND der präfrontale Kortex bekommt eine Steigerung. Genial oder?
Durch Achtsamkeitsübungen lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf den Atem, auf einen Körperbereich o.ä. Dabei verringert sich die Amygdala-Aktivität und wir laden unsere Batterie auf, um volle Leistung zu bringen. 

Wenn Teenager in der Schule sitzen, ist die Amygdala Aktivität oft sehr hoch, sodass es ihnen schwer fällt sich zu konzentrieren und länger an einer Aufgabe zu tüfteln. Als Lehrerin merke ich einen deutlichen Unterschied, wenn ich Schüler & Schülerinnen am Morgen habe oder aber wenn ich sie am Nachmittag unterrichte. Am Nachmittag ist es oft nur noch schwer möglich, ihre Aufmerksamkeit für längere Zeit auf etwas zu lenken. Achtsamkeitsübungen können den Schülern & Schülerinnen jedoch helfen, dass sich auch ihre Batterie wieder voll auflädt und sie so aufnahmefähig für neue Aufgaben oder Inhalte sind. Das ist im Prinzip die Wirkung des Focused Moment. 

Im nächsten Blogbeitrag erfährst du, wie ihn meine Schüler & Schülerinnen erfahren und was sich bei ihnen dadurch verändert hat. 

Habt einen schönen Sonntag,
Frances 

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