Achtsamkeitsrituale im Unterricht

8 Fehler bei der Einführung von Achtsamkeitsritualen im Unterricht

Wie du vielleicht schon weist, nutze ich seit ein paar Jahren Achtsamkeitsrituale in meinem Unterricht in den Klassen 7 bis 13 als festes Stundenritual. Außerdem habe ich ein eigenes Fach an meiner Schule zum Thema Achtsamkeit und hierfür einen mehrwöchigen Kurs entwickelt. Diesen durchlaufen alle 9.Klässler. Durch diese Erfahrungen, konnte ich bereits viel lernen und möchte dir gern meine Erkenntnisse in diesem Blog Post weitergeben.

Ich habe immer wieder festgestellt, dass das Gelingen von Achtsamkeitsübungen nicht unbedingt von den Schüler:innen, die vor mir sitzen abhängt. In meinem Achtsamkeitskurs beispielsweise, wählen die Jugendlichen nicht den Kurs, sondern sie müssen ihn alle durchlaufen. Hier habe ich also auch immer Schüler:innen sitzen, die damit nichts anfangen können oder dem Thema eher abgeneigt sind. Doch auch diese Schüler:innen konnte ich mit der Zeit gewinnen, wenn ich ein paar Punkte befolgte und andere vermied.

In diesem Blog Post möchte ich nun mit dir diese 8 Fehler teilen, die du bei der Einführung von Achtsamkeitsübungen vermeiden solltest.

Fehler #1: Du lässt dir keine Zeit bei der Einführung von Achtsamkeitsübungen

Ich kenne das zu gut. Wenn ich selbst von etwas inspiriert bin, dann möchte ich es auch schnell umsetzen. Hinzu kommt, dass wir im Schulalltag ja auch kaum Zeit haben. Wie sollst du von deinem Unterricht noch einen Block nur für die Einführung von Achtsamkeit einplanen, wenn das Jahr sowieso schon so knapp ist?

Nach meiner Erfahrung ist es unumgänglich, sich bei der Einführung von diesem Thema wirklich Zeit zu lassen. Achtsamkeit also auch hier schon zu leben 😉 Es zahlt sich am Ende aus!! Das verspreche ich dir. Führst du es allerdings zu schnell ein oder nur mal so zwischendurch, wirst du viel Unverständnis und Gegenwind bekommen.

Mein Mantra ist immer: Schrittchen für Schrittchen. Hole deine Schüler:innen da ab, wo sie stehen und begleite sie auf dem Weg.
Schau, wann ein guter Zeitpunkt für die Einführung ist. Ich finde den Schuljahresbeginn immer sehr geeignet. Aber auch in Projektphasen bietet es sich vielleicht an.

Fehler #2: Du wirst ungeduldig, wenn es nicht gleich so klappt, wie du willst

Es ist sehr ratsam, sich selbst und seine Beweggründe immer wieder zu hinterfragen. Sobald du merkst, es wird „pushi“ und du hast eine gewisse Erwartungshaltung, dass zum Beispiel deine Schüler:innen für die Meditation alle mucksmäuschen still sein müssen, dann nimm den Druck raus. Druck und Zwang bieten keine gute Atmosphäre, dass sich deine Schüler:innen öffnen können. Für viele wird es komplett Neuland sein. Bekanntlich reagieren viele Jugendliche auf Fremdes mit Skepsis und vielleicht auch mit Ablehnung. Hier ist es besonders wichtig, emphatisch und geduldig zu sein. Ihre Reaktion zeigt oft nur ihre Angst. Das ist sehr wichtig, das zu erkennen und achtsam zu begleiten.

Fehler #3: Du wirfst vorschnell das Handtuch

Vielleicht hast du schon die eine oder andere Übung ausprobiert, deiner Klasse gefiel das aber überhaupt nicht und du hast es dann auch sein gelassen? Ich kenne das zu gut. Es gibt in einigen meiner Klassen noch immer Schüler:innen, die bei den Übungen nicht mitmachen. Das ist auch völlig okay, solange sie nicht stören. Sie sollen nicht das Gefühl bekommen, ich würde ihnen etwas überstülpen. Es ist eher eine Einladung. Hier ist es dann wiederum auch wichtig, sehr bestimmt und überzeugt zu sein. Du führst die Klasse und die Kids sollen das Gefühl bekommen, du weist was du tust und bist von deiner Sache absolut überzeugt. Niemand muss sich zu etwas gezwungen fühlen, du bleibst jedoch für einige Wochen bei diesem Ritual und lädst immer wieder ein.

Fehler #4: Du hast keine eigene Erfahrung

Um wirklich überzeugt zu sein, solltest du auf jeden Fall selbst Erfahrung mit Achtsamkeitsübungen haben. Das ist ein absoluter Gelingensfaktor und auch der Ansatz meiner Arbeit. Ich richte mich zuerst an dich, als Lehrer:in. Aus deiner Erfahrung heraus, kannst du Inhalte viel besser anleiten und deine Schüler:innen bei den Übungen begleiten.
Bevor du also Achtsamkeitsrituale in deinen Klassen einführst, begib dich selbst auf die innere Reise. Erkunde, was Meditationen mit dir machen, wie du achtsamer im Alltag werden kannst. Nimm dir Zeit dafür. Nutze gern dafür all meine Tools (Podcast, Blog und Instagram). Und wenn du ready bist, dann übe gemeinsam mit deinen Schüler:innen.

Fehler #5: Du willst zu viel von ihnen

Durch die eigene Erfahrung wirst du merken, dass es anfangs gar nicht so leicht ist, bei sich zu bleiben. Daher ist es wichtig, klein anzufangen. Lass deine Schüler:innen nicht so lange in den Meditationen sitzen. Fange mit 3-4 Minuten an und steigere, wenn sie geübter sind.

Fehler #6: Die Schüler:innen verstehen nicht den Sinn dahinter

In den ersten Stunden spreche ich immer wieder darüber, warum ich so stark davon überzeugt bin, dass Achtsamkeitsübungen in den Unterricht gehören. Was sind die Benefits? Das sollte für die Jugendlichen ganz klar sein. Je älter die Schüler:innen, desto mehr wollen sie verstehen, wie etwas wirkt und wofür sie es tun sollen.

Lies dir Studien durch, die erforschen, was Achtsamkeitsübungen bei Schüler:innen machen (verbesserte Leistungen, Konzentration etc.). Oder nutze Vorbildfunktionen, wie Sportler oder große Unternehmen (Google, Apple), die Achtsamkeitsübungen für sich nutzen. Das inspiriert und motiviert deine Schüler:innen. Vielleicht hast du auch die Zeit, dass sich deine Schüler:innen selbst damit auseinandersetzen dürfen und eigene Vorbilder finden, die Achtsamkeit nutzen. Du wirst sehen, die Bereitschaft steigt um ein Vielfaches!!

Fehler #7: Es gibt keinen Raum für den Austausch von Erfahrungen

Anfangs ist es sehr wichtig, dass die Schüler:innen nicht allein mit ihren Gedanken und Gefühlen gelassen werden. Ich biete nach der Meditation immer wieder den Raum für den Austausch an. Nicht jeder möchte etwas sagen, was vollkommen okay ist. Andere sind jedoch sehr dankbar dafür und nutzen die Möglichkeit. Auch hier ist es sehr wichtig, dass du nicht wertest. Jeder darf seine Erfahrung machen. Du kannst sehr gern auch von deinen eigenen Erfahrungen sprechen und deinen Schüler:innen mitteilen, dass es dir am Anfang genau so ging. Die Gedanken kreisen ständig, es juckt hier oder da. Das ist vöööööllig normal!! Wir können nicht, nicht denken. Hilf den Jugendlichen ihre Erfahrungen einzuordnen und lass sie nicht allein.

Fehler #8: Du verwendest „Floskeln“, die du aus deinen Meditationen kennst, den Schüler:innen aber fremd sind

Oft haben angeleitete Meditationen einen esoterischen Touch. „Spüre in dich hinerin“, „Verbinde dich mit deinem Herzen“, „Namasté“ etc. sind den Schüler:innen oft sehr fremd und sie verstehen sie auch einfach nicht. Statt diese Worte einfach nachzubrubbeln, nutze deine eigenen Worte. Versuche eine Sprache zu finden, die die Jugendlichen verstehen und sich damit identifizieren können. Nach und nach kannst du dann auch andere Worte verwenden. Am Anfang sollte der Einstieg jedoch so easy wie möglich für sie sein. Und dazu zählt eben auch die Sprache der Anleitung von Meditationen.

Ich hoffe du kannst hier viel für dich mitnehmen und bist voller Vorfreude, es mit deiner Klasse mal auszuprobieren. Take it easy and take it slow!! Lass dir Zeit und bleib entspannt.

Über dein Feedback würde ich mich riesig freuen. Schreib mir gern hier in die Kommentare oder auf Instagram, ob dir diese Hinweise geholfen haben. Ich bin sehr neugierig 🙂

Alles Liebe,
Frances

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