How you hack your brain (Teil 1/2)

How you hack your brain (Teil 1/2)

Ich beschäftige mich momentan mit der Wirkung von Yoga und arbeite an einem wissenschaftlichen Projekt. Anlass zur Beschäftigung mit dieser Thematik bot das kürzlich erschienene Buch A New Look at the Science of Yoga and How It Can Transform Your Life von dem amerikanischen Yogalehrer Eddie Stern. Ihm ist es gelungen, die Überzeugungen und Annahmen aus der Yogatradition der östlichen Kultur mit westlichen Studien und Erkenntnissen zu verknüpfen. Mich hat dieses Buch wahnsinnig inspiriert und fasziniert. Es ist großartig, welche Erkenntnisse die Neurowissenschaft bereits hat und wie wir diese für unser Leben nutzen können. Natürlich ist dieses Thema auch unglaublich komplex und ich versuche mich hier bereits seit mehreren Wochen einzuarbeiten. Ich möchte euch gern einen kleinen Einblick geben und einige hochaktuelle, wissenschaftliche Erkenntnisse mit euch teilen.

In diesem Blogpost – Teil 1 erfahrt ihr, welcher Teil des Hirns für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen verantwortlich ist, warum wir uns in manchen Situationen ziemlich blöd verhalten und was unser Lifestyle damit zu tun hat.

Immer mehr Menschen kommen in Yogaklassen, um Körper & Geist in Einklang zu bringen. Dem stressigen Alltag etwas entgegensetzen, wieder mehr Klarheit finden oder bei sich selbst ankommen – das sind einige Gründe für das Wagnis auf die Yogamatte. Aber wie tiefgreifend ist die Wirkung tatsächlich? Kann Yoga wirklich auf unsere Emotionen und Stimmungen Einfluss nehmen? Können wir durch unsere Yogapraxis zu liebevolleren und glücklicheren Menschen werden? Dieser und einiger anderen Fragen ist Eddie Stern in seinem Buch nachgegangen. Ich möchte versuchen, die wesentlichen Erkenntnisse auf einfache Weise darzustellen. Ich möchte euch mitnehmen auf eine inspirierende Reise in unser menschliches Gehirn.

Die Dreieinigkeit des Gehirns 

Zunächst ist es dafür wichtig, einen kurzen Blick in unser Gehirn zu werfen. Der Hirnforscher Paul McLean hat in den 60er Jahren die Theorie aufgestellt, dass unser Hirn in 3 große Bereiche eingeteilt werden kann (The concept of the „Triune Brain“), abhängig von verschiedenen Entwicklungsstufen in Anatomie und Funktion: 

  • Der Hirnstamm: Dieser ist der älteste Teil des Hirns und verantwortlich für alle überlebensnotwendigen Körperfunktionen (Körpertemperatur, Atmung, Herzschlag, Blutdruck etc.). Sie laufen ganz automatisch ab und wir müssen uns um sie nicht sorgen. 
  • Das Limbische System: Teil des Hirns, in dem Emotionen verarbeitet und Erinnerungen gespeichert werden 
  • Der Neokortex: ist der letzte Teil des Hirns, der sich in der Evolution entwickelt hat und umfasst alle „höheren Exekutivfunktionen“ wie Sprache, abstraktes Denken, Kreativität, Planen, Ausdruck von Leidenschaft und Empathievermögen uvm. 
Was wir aus dem „Triune Brain“ für unser Leben lernen können

Nun ist es nicht immer so, dass alle drei Hirnbereiche gleich aktiv sind. Vielmehr hängt es von dem Zustand ab, in dem wir uns befinden. Wir sind im konstanten Austausch mit unserer Umwelt. Unser Unterbewusstsein nimmt Reize aus der Umgebung wahr und wir reagieren dementsprechend darauf. Manchmal spüren wir die Auswirkungen, wenn wir zum Beispiel plötzlich ins Schwitzen kommen, unser Herz ganz schnell schlägt und die Atmung schneller wird. Oft nehmen wir den Auslöser dafür gar nicht bewusst wahr. Er wird von unserem System ganz unbewusst als „Gefahr“ eingeordnet. Diese sogenannten Trigger sind von Mensch zu Mensch sehr verschieden und basieren auf den persönlichen Erfahrungen. Das kann beispielsweise eine unangenehme Situation sein, in die man geraten ist. Für eine Person ist es der Vortrag vor großem Publikum, für eine andere ist es der Blick auf das Konto. Trigger sind unglaublich komplex und nicht immer auf dem ersten Blick gleich erkennbar. 

Der Fight or Flight Modus

Wir spüren die körperlichen Reaktionen, wenn wir uns in einer unangenehmen Situation befinden. Dann sind wir im Zustand Fight or Flight (dt.: Kampf oder Flucht). Darüber hatte ich bereits schon mal in einem Blogbeitrag geschrieben. 

Dieser Modus war für uns früher überlebenswichtig, um bedrohlichen Gefahren zu entweichen. Der Hirnstamm übernimmt dann das Kommando und sendet entsprechende Signale, um den Körper auf diese Gefahr bestmöglich vorzubereiten. Ein wichtiger Mitarbeiter für solch einen Einsatz ist immer das sympathische Nervensystem. Das Herz pumpt schneller, die Atemzüge werden kürzer und flacher, die Körpertemperatur steigt und Adrenalin wird produziert. So sind wir dann in der Lage, schlagartig zu fliehen oder zu kämpfen.

Die anderen Hirnregionen- das limbische System und der präfrontale Kortex- sind nun nicht mehr gefragt und werden deaktiviert. Prio Nummer eins ist nämlich immer das Überleben und hier hat der Hirnstamm das Sagen. 

Wir sind im vollen Verteidigungszustand, in dem es uns weder möglich ist, einen klaren Gedanken zu fassen, noch emphatisch, umsichtig oder mitfühlend zu reagieren. Es geht ja ums pure Überleben. Kennt ihr so eine Situation? Ihr fühlt euch extrem unwohl und reagiert total über, genervt oder euch passiert etwas Unangenehmes? Deshalb passieren bei ersten Dates auch oft solche peinlichen Missgeschicke 🙂 

Die Auswirkungen unseres schnelllebigen Alltags 

Nun sind die „Gefahren“ nicht mehr die gleichen, wie sie es damals waren. Der Sebelzahntiger ist heute vielleicht der Chef, die Mathearbeit oder der volle Terminkalender. Im Grunde all unsere täglichen Herausforderungen. Die körperlichen Prozesse des Überlebensmodus laufen jedoch noch immer so ab, wie sie es auch vor hunderten von Jahren taten. 

Hier liegt das große Problem unseres derzeitigen Lebensstils. Bei einige Menschen ist das Stresslevel, genauer gesagt das Disstress Level, im Alltag so hoch, dass sie kaum noch in den Ruhemodus schalten können. Selbst dann nicht, wenn sie mal ein paar ruhige Minuten haben. Im Prinzip ist das sympathische Nervensystem konstant aktiv. Der Gegenspieler, das parasypmathische Nervensystem, ist dagegen kaum noch im Einsatz. Da es jedoch für die Verdauung, Erholung oder den Schlaf verantwortlich ist, spielt es eine zentrale Rolle für ein glückliches Leben. Die Balance zwischen den beiden Nervensystemen ist sehr wichtig. 

Eddie Stern verbildlicht diese zwei Nervensysteme sehr schön mit der Metapher eines Autos. Das sympathische Nervensystem ist der Beschleuniger und das parasympathische System ist die Bremse. 

Das bedeutet auch, dass die höheren Hirnbereiche- das limbische System und der präfrontale Kortex- in diesem Zustand nicht aktiviert werden können. Daraus folgt, dass Empathie, Mitgefühl, Wertschätzung, Kommunikation oder Toleranzbereitschaft eher Mangelware sind. Vielleicht habt ihr das bereits in eurem Alltag erlebt, wenn euch die gestresste Kollegin im schroffen Ton anfährt oder ihr in einem Streit so reagiert, wie ihr es normalerweise nicht tun würdet. 

Wenn ich so in unsere Welt blicke, so sehe ich leider immer weniger wirklich emphatische, wertschätzende Reaktionen voller Güte und Liebe. Man könnte meinen, dass das schöne Miteinander etwas eingerostet oder unterkühlt ist.  Nun könnte man die These aufstellen, dass eben dieses kühle, herzlose, angstgetriebene Verhalten einiger Menschen durch unser stressiges Leben verursacht wird. Eine Studie hierfür kenne ich jedoch noch nicht 🙂 

Betrachten wir diese Erkenntnisse, so könnte man schlussfolgern: wir müssen uns alle mal ein wenig entspannen 🙂 Denn nur dann kann man ausgeglichen und mit großem, offenen Herzen in der Welt agieren. 

Im nächsten Blogpost verrate ich euch, wie wir unser Gehirn austricksen können, um auch die oberen Hirnbereiche zu aktivieren. Ich bin wirklich erstaunt, welche Erkenntnisse die Wissenschaft bereits liefern kann und was wir damit für einen Einfluss auf unser Leben nehmen können. Also bleibt ganz gespannt und freut euch auf den nächsten Post, in dem ich euch den Schlüssel für wahres Glück verrate…. basierend auf ganz frischen, neuen Erkenntnissen. 

Eure Frances 

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